Umwandlung.

Nun ist es schon über vier Monate her, dass eher überraschenderweise die “Ehe für alle“ umgesetzt wurde, meine Lieblingsgrafik aus dem SZ-Magazin dazu zeigt sehr gut, was seitdem passiert ist.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/bildergalerie/39459/2/Gefuehlte-Wahrheit

Bei uns ist mittlerweile aber etwas passiert: wir haben uns vergangene Woche auf zum Standesamt gemacht, zur Anmeldung der Umwandlung unserer Lebenspartnerschaft in die Ehe. Vorher haben wir uns ausgiebig mit der Frage beschäftigt, welcher Rahmen uns für dieses Ereignis am passendsten erscheint. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten! Einerseits erscheinen größere Feierlichkeiten für die so lange ersehnte und überfällige „Ehe für alle“  durchaus angemessen. Andererseits sind wir bereits seit 2 ½ Jahren verpartnert, was sich bestimmt nicht anders anfühlt als verheiratet, und auch wenn es damals offiziell die „Begründung der eingetragenen Lebenspartnerschaft“ war, so war es für uns doch immer unsere Hochzeit, die wir auch wunderbar, groß und genau nach unseren Wünschen gefeiert haben. Der Wermutstropfen war immer nur die sprachliche Diskriminierung (und was gesetzlich noch damit einherging).

Schließlich haben wir uns entschieden, die Umwandlung für unseren 3. Hochzeitstag anzumelden und im Ideal-, also Sonnenscheinfall an diesem Tag noch ein zwangloses, gemütliches Isargrillen mit Freund*innen und Bekannten, die Zeit und Lust haben, anzusetzen. Ein Fass Bier können wir dann ja zur Isar rollen.

So fanden wir uns zum zweiten Mal mit all den Heiratswilligen beim Standesamt des Kreisverwaltungsreferats ein (direkt neben der Jagdscheinstelle und dem Geburtenbüro mit Wickeltisch). Die Wartezeit ließ noch ein eher weniger romantisches Frühstück in der nüchteren Kantine zu. Die Standesbeamtin war sehr freundlich und interessiert – als sie erfuhr, dass meine Frau Lehrerin ist, vor allem an Tipps, wie sie ihren Sohn, der heuer Abitur macht, zum Lernen motivieren kann.

Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass die Umwandlung nur an Dienstagen und Donnerstagen (dafür sogar gleich zusammen mit der Anmeldung) im Büro vollzogen werden kann – an allen anderen Tagen, und unser Hochzeitstag fällt dieses Jahr nun mal auf einen Mittwoch, „muss“ man in den Trausaal. Freudig teilte die Beamtin uns mit, dass wir auch noch in die Mandlstraße könnten (das ist der sehr schön gelegene Trausaal in München, direkt am Englischen Garten, im Gegensatz zum schnöden Kreisverwaltungsreferat). Weil meine Frau so empathisch ist, wie sie ist, winkte sie gleich ab: „Nein, da sollen die Leute hin, die zum ersten Mal heiraten.“ Recht hat sie, wir wollen ja kein großes Brimborium.

Insgesamt fühlt es sich nun doch alles ein bisschen so an wie ein zweites Mal heiraten. Irgendwie hat das seinen Reiz, man erneuert quasi sein Eheversprechen, denn man bekommt nochmals alles vorgelesen und muss noch einmal „Ja“ zueinander sagen. Aber irgendwie auch absurd, schließlich hatten wir all das doch schon.

Ein Bekannter postete die Tage auf Facebook ein Bild vom Heiratsbüro und schrieb dazu „Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus!“. Er und sein Mann, die  schon seit vielen Jahren verheiratetpartnert sind, haben wie wir die Umwandlung angemeldet. Unter seinem Post häuften sich die Glückwünsche… bei manchen war mir nicht ganz klar, ob die Leute wussten, dass die beiden schon lange in eingetragener Lebenspartnerschaft leben. Sogar die Frage nach der Hochzeitsreise kam auf. Mich hat das nachdenklich gestimmt. Irgendwie finde ich es nett, aber irgendwie merke ich genau an dieser Stelle auch, welche große Diskriminierung doch bisher herrschte. Für uns ist klar, unsere Hochzeit und unsere Hochzeitsreise fand im Jahr 2015 statt, das war ein einmaliges Ereignis, was nicht wiederholt wird oder jetzt erst seine Legitimität erhält.

Übrigens, meine Frau ist dann ab Juli mein Ehemann. Immerhin nicht auf der Urkunde, aber im Personenstandsregister. Nein, die Umwandlung zur Ehe sollte wirklich nichts mit einer Geschlechts-Umwandlung zu tun haben. Doch die Software ist noch nicht umgestellt. Laut Standesbeamtin (und laut Verlag) liegt das gar nicht an der Software, sondern an den Bundesländern, die sich nicht einigen konnten, ob es nun statt „Ehemann“ und „Ehefrau“ lieber „Ehegatten“ oder „Eheschließende“ oder „???“ heißen soll.  Weil der Nachname meiner Frau im Alphabet vor meinem kommt, ist automatisch sie der Mann. Aber das wird unsere gleichberechtigte Rollenaufteilung zum Glück nicht beeinflussen – und dankenswerterweise wurden wir auch schon ewig nicht mehr gefragt, wer denn bei uns „der Mann“ sei. Viel schlimmer ist es, für Schwestern gehalten zu werden, aber das ist eine andere Geschichte…

Love is the answer, at least for most of the questions in my heart
Like why are we here? And where do we go?
And how come it’s so hard?
It’s not always easy and
Sometimes life can be deceiving
I’ll tell you one thing, it’s always better when we’re together

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