Ehe.

Vor fast zwei Jahren, am 18.07.2015, haben wir geheiratet. Der Tag war genau so, wie wir uns das gewünscht hatten. Wir hatten eine sehr romantische Zeremonie im Obstgarten, haben uns Eheversprechen gegeben, hatten einen Bierempfang, eine Band, ein großes Fest mit unserer Familie, mit Freundinnen und Freunden von nah und fern, mit Luftballons, Geschenken, Einlagen, Reden, Tanz… Doch immer war uns bewusst: Es ist die Begründung einer Lebenspartnerschaft, wir sind verpartnert. Unsere Liebe, unsere Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen, in guten wie in schlechten Zeiten, wird nicht gleich behandelt.

Seit vorgestern, dem 30.06.2017, ist auf einmal alles anders. Ich bin noch immer ganz hin und weg und reibe mir verwundert die Augen. Sicher gehöre ich nicht zu den Aktivist*innen der ersten Stunde, aber doch gehe ich auch schon lange für die Gleichstellung (und gegen die ewig Gestrigen) auf die Straße, unterstütze den LSVD, unterschrieb jegliche entsprechende Petition. Jetzt ging es so wahnsinnig schnell, und ganz egal, ob das nun Merkels Kalkül oder doch politisches „Stolpern“ war, es ist ein unglaublich großer Moment, auch für mich persönlich.

Die Debatte am 30. Juni habe ich natürlich live angeschaut (ich war ja sowieso im Krankenstand). Eher unerwartet hat sie mich viel mehr berührt, als ich gedacht hätte. Oppermann und Kauder angenehm sachlich. Steinbach, Hasselfeldt, geschenkt. Überrascht hat Jan-Marco Luczak von der CDU. Ziemlich in Rage war Johannes Kahrs von der SPD. Kein Wunder, wenn man jahrelang bei der Kanzlerin auf taube Ohren gestoßen ist, die dann behauptet, niemand hätte mit ihr darüber geredet. Die Augen tränten dann spätestens bei Volker Beck, dem unermüdlichen Kämpfer für gleiche Rechte.
Vor allem berührten mich die Verweise auf all die Vorkämpfer*innen. Was für eine irre Spanne von Erfahrungen, was für ein langer Weg, der hier in wenigen Generationen zurückgelegt wurde: Von der „Aktion Standesamt“ im Jahr 1992 bis hin zu der Mutter, die gestern bei einem Facebook-Freund kommentierte:


Gestern war ein wundervoller Tag auch für meine Familie: Abifeier der Tochter, Geburtstag ihrer Freundin und den beiden die Gleichstellung geschenkt.

Das hat mich zu Tränen gerührt: wie unglaublich wichtig und toll, dass nun Jugendliche in dem Wissen heranwachsen, dass es ganz normal ist, homosexuell zu sein und dass diese Liebe kein bisschen weniger wert ist!

Zu meiner Abizeit war ich da meilenweit davon entfernt und trieb mich munter in der Heteronorm herum. Ich gehörte allerdings nicht zu denjenigen, die sich schon die Hochzeit ausmalten oder gar schon Hochzeitskleider probierten. Schwer zu sagen, ob es daran lag, dass ich ein Trennungskind war oder daran, dass mir unterbewusst schon klar war, dass das keine wirkliche Option sein würde.

Natürlich hätte ich auch problemlos ohne Trauschein leben können und war dann auch nicht gerade die jüngste Braut. Heute fühle ich mich pudelwohl in der Ehe und mag es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich die tollste Frau habe, mit der ich die wunderbarsten Zeiten erleben und noch jede Krise überstehen konnte und die erst gestern klug bemerkte: „Ehe für alle“ heißt auch „Ehekrach für alle“.

Das bringt es doch auf den Punkt: mehr wollen wir auch nicht – nicht mehr als das, was die Heteros auch haben. Wünschenswert ist zudem eine positive gesellschaftliche Wirkung, die Eheöffnung wird hoffentlich zu weniger Diskriminierung führen. Und vielleicht gibt es ja noch mehr positive Auswirkungen, wie es Meike Lobo ausführt, mit deren weisen Worten ich schließen mag:

Ich habe keine Angst davor, dass sich diese Dinge verändern könnten. Ich habe nur Angst vor einer Gesellschaft, die sich keine andere Welt vorstellen kann als die, in der sie lebt.

… no freedom til we’re equal!

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