Hobbys.

Es klang ganz harmlos, als mich kürzlich ein Kollege fragte „Und, was für Hobbys haben Sie?“. Doch ich finde, die Frage hat es wirklich in sich. Wo als Kind, Jugendliche, vielleicht noch als Studentin, die Antworten wie aus der Pistole geschossen kamen, muss ich heute schon länger nachdenken.

Klar, die Freizeit ist beschränkter, also hat man weniger Zeit für ausufernde Hobbys. Wie oft kommt man abends heim, ist dann noch mit Kochen beschäftigt (was in diesem Fall weniger Hobby als Notwendigkeit ist) und sinkt nach dem Essen auf die Couch, um noch eine Folge der aktuellen Lieblingsserie zu schauen. Netflix als Hobby? Das will doch auch niemand wirklich.

Am Wochenende steht dann meist der Wohnungsputz an, man wühlt sich durch die Post der Woche und muss hier und dort noch etwas erledigen. Im Idealfall kann man mal ausschlafen und ausgiebig frühstücken… Freund*innen will man auch noch treffen, und schwupps, ist das Wochenende auch wieder rum.

Doch trifft man immer wieder mal Leute, die durchaus zeitraubende Freizeitbeschäftigungen, ob nun sportlicher, künstlerischer oder kultureller Natur, in ihr Leben integrieren, auch wenn sie einen ausfüllenden Beruf haben. Vielleicht ist es aber auch eine Definitionssache. Was gilt denn als Hobby? Muss das zwingend etwas „Großes“ sein wie Marathon-Training oder Saxophon spielen?

Oder ist es heute schon ein Hobby, wenn man Zeit im Internet verbringt – nicht mal zwingend nur verdaddelt, sondern zwischendurch gar anspruchsvolle Texte oder Blogs liest? Das ist schließlich oft meine S-Bahn-Beschäftigung auf dem Arbeitsweg. Hier versuche ich allerdings, auch ganze Bücher zu lesen – wobei der Leseerfolg aber individuell von Müdigkeitsgrad und Buch abhängt. Ein Kapitel darf hier schon mal nicht mehr als 15 Minuten Lesezeit dauern. Zuhause aber schon, womit Lesen also auch zu meinen Hobbys gehört.

Gilt denn Musik hören auch als Hobby? Neue Musik entdecken und auswählen (ob nun online oder im Radio), Spotify-Listen anlegen… Das mache ich gern in meiner Freizeit, es entspannt mich, bereitet mir Freude – warum also nicht auch so etwas „Kleines“ als Hobby gelten lassen.

Dann wäre da noch Sport. Das war immerhin mal mein Hobby, viele Jahre Judo, später Yawara (eine Art Jiu-Jitsu). Davon ist leider nicht mehr viel übrig – außer meine Frau, die ich immerhin beim Sport kennengelernt habe! Aber ab und an mal laufen gehen, einen Yogakurs machen… oder hin und wieder ein bisschen wandern und in die Berge gehen – klar, das mache ich gern in meiner Freizeit. Nur bin ich eben kein Vollblut-Yogi oder nehme mir den Himalaya vor.

Bloggen geht als Hobby durch, oder? Aber dafür habe ich auch nur so 2-3x im Monat die Zeit, Lust und Muße. Wie sieht es mit Meditieren aus? Zumindest verbringe ich viel Zeit damit… Ab und an belege ich einen mehrwöchigen Meditationskurs. Und meine Meditations-App, die ich mir eigentlich nur aufgrund des Zwischengongs nach 6 und des Endgongs nach 12 Minuten geholt habe, vermeldete letztens, dass ich nun insgesamt 24 Stunden mit ihr meditiert hätte. In der Zeit lernen andere wahrscheinlich die Basics einer Fremdsprache…

Dann ist da noch mein Ehrenamt. Da fließt zwar lang nicht mehr so viel Zeit rein wie früher, als ich noch Studentin war oder als mein Beruf noch ganz weit davon entfernt war, doch auch hier verbringe ich regelmäßig diverse Abende, meist mit Freude und immer mit dem Wissen, etwas Sinnvolles getan zu haben.

Wenn man also nachdenkt, kommt doch eine ganz schöne Liste zusammen. Vielleicht muss man sich einfach mal bewusst machen, was die eigenen Hobbys sind – auch wenn es eben vermeintlich „langweilige“ Freizeitbeschäftigungen sind, so machen sie doch Spaß und tragen zur Erholung bei. Und das ist ja schließlich das Wichtigste, oder?

Für mich ist es also in Ordnung, dass meine Hobbys nicht besonders oder herausragend sind, sondern eben eher „Mittelmaß“ – immerhin beschert mir das auch die Gelegenheit, hier dieses unglaublich lustige, kakophone, rotzige, schräge, punkige Lied der sympathischen Band mit dem abgefahrenen Namen „Acht Eimer Hühnerherzen“ zu posten:

Spiegel online, Rooibos Tee, die neue Foo Fighters-CD
Ich steh auf Mittelmaß
Das macht Spaß – Mittelmaß
Das macht Spaß mit dir im Gras
Es ist so langweilig
Und deshalb mag ich dich.

Oder natürlich auch unter meinen 2018/1-Favourites bei Spotify:

6 Kommentare

  1. Ich finde du hast schon viele Hobbies. Menschen, die Himalaya besteigen, haben vermutlich nur den einen: Berg steigen. Ich finde es aber viel schöner, multidimensional zu sein, als nur das Eine zu machen 🙂

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