Wohnzimmerkonzert.

Dass ich gern auf Konzerte gehe, habe ich ja schon geschrieben. Vielleicht war es also nur eine logische Konsequenz, mal ein Konzert zu uns ins Wohnzimmer zu holen. Trotzdem war es eher ein Zufallsprodukt, und das kam so:

Im Jahr 2014 waren wir aus einer Schnapslaune heraus beim L Beach, das ist ein Frauenfestival an der Ostsee (das wohl leider heuer zum letzten Mal stattfindet). An sich schon ein Erlebnis der besonderen Art, 4.000 (lesbische) Frauen auf einem Fleck hat man ja eher nicht so oft. Für diesen Beitrag ist aber v.a. relevant, dass wir dort zum ersten Mal Toby Beard aus Australien auf der Bühne sahen. Niemand kannte sie, der Raum, in dem sie auftrat, war erst relativ leer, alle saßen so rum… sie kam auf die Bühne und der Funke sprang sowas von über. Ein Wahnsinnskonzert, völlig unverhofft.

Wir kauften also zwei CDs von ihr und folgten ihr ab dann auf Facebook. In den letzten Jahren sahen wir sie dann noch 2x live, einmal in Raubling bei Rosenheim, was ja nicht so weit ist – und einmal in Maulburg (einem Ort, der uns bestimmt zum ersten und zum letzten Mal gesehen hat), das ergab sich so, weil wir das Wochenende bei einer Freundin in Basel verbringen konnten und von da ist es nur ein Katzensprung. Toby’s sympathische Art, ihre tolle Stimme und die ganz besondere Atmosphäre, die sie eben auch im „Ochsen“ in Maulburg erzeugen kann, waren die Reise auf jeden Fall wert.

Das Lied „Don’t go“ gefiel uns von Anfang an besonders gut, die schmissige Melodie ebenso wie der Text, und so war es für uns zu einem besonderen Lied geworden. Bei unserer Hochzeit wagten wir uns selbst daran und performten es mit Ukulele und Kazoos – seitdem kennen es unsere FreundInnen und auch deren Kinder trällern es schon.

Auch in diesem Jahr ist Toby auf Deutschlandtour und natürlich wollten wir sie gern sehen. Schon lange fragten wir uns, warum sie denn nie in München auftrat und hätten dies gern anders gesehen. Als sie also Anfang März auf Facebook postete, dass sie auf der Deutschlandtour noch ein paar Termine frei hat, war unser erster Gedanke, sie irgendwie nach München zu kriegen. Diesen Tenor hatte auch meine Nachricht, die ich ihr daraufhin über Facebook schickte – es wär doch auch gelacht, für eine solche Künstlerin keine Location in München zu finden.

Schnell stellte sich aber heraus, dass sie aus vertraglichen Gründen nicht einen Tag vor ihrem Auftritt in der Nähe von Rosenheim in München auftreten konnte…. und sie schlug dann ein House Concert vor – etwas, dass sie immer wieder mal machen und als sehr angenehm und besonders empfinden. So nahm das Schicksal seinen Lauf…. wir überlegten kurz, doch das Wohnzimmer ist groß genug, die Nachbarn supernett und dass wir 25 zahlende Gäste zusammenkriegen, erschien uns auch als machbar.

Natürlich war alles superaufregend – ein Bekannter war so nett, uns ein Mischpult, Boxen und alles, was dazu gehört, zu leihen. Und als ob es noch nicht aufregend genug war, kam dann noch ein Wasserschaden inkl. entsprechender Bauarbeiten in unserer Wohnung dazu, sodass wir zwischenzeitlich nicht sicher waren, ob es wirklich klappen würde.

Als dann am Dienstag um 16 Uhr die Band zum Soundcheck vor der Tür stand, wurde uns erst so richtig klar, dass es wirklich passiert. Alles lief sehr glatt, Caroline, Josse und Jean-Guy von der Band waren sehr sympathisch und erzählten uns von ihrem Musikerleben… Toby selbst kam dann sogar mit ihrem Vater, der gerade zu Besuch war.

Fürs Konzert rückten dann tatsächlich 32 unserer FreundInnen und Bekannten an, vier Kinder waren auch noch dabei. Da war unsere  Villa Chaotica wirklich gut gefüllt! Der Abend war für mich auch so besonders, weil es nichts Alltägliches ist, dass so viele Zeit und Lust hatten, zum Konzert zu kommen, obwohl es doch Eintritt kostete und viele Toby und die Band vorher gar nicht kannten.

Es war auch sonst nicht gelogen, dass ein solches Wohnzimmerkonzert etwas ganz Besonderes ist. Man ist so nah dran, es hat eine gewisse Intimität, auch wenn die Künstlerinnen professionell sind. Toby mit ihrer Bühnen- und auch Wohnzimmerpräsenz, ihrer Ausstrahlung, ihrer Wahnsinnsstimme, ihrer Authentizität und ihrer sympathischen Art schaffte es, alle Anwesenden in ihren Bann zu ziehen. Die Atmosphäre war aber auch so speziell, weil es in unserem Zuhause stattfand, wo wir uns einfach jeden Tag bewegen, und weil so viele liebe Menschen dabei waren, die wir schätzen, die wir mögen, die uns etwas bedeuten. Natürlich haben nie alle Zeit oder den gleichen Geschmack – aber die Vibes der Anwesenden waren wirklich besonders. Ich denke, weil sie wie wir von der Musik, den Texten und der Leidenschaft der MusikerInnen berührt wurden.

Ich selber merke wiederum, wie ich älter und sensibler werde… ich war wirklich total gerührt von allem und es war ein unvergesslicher Abend für mich! Schön war auch der Ausklang, als Josse, Caroline und Jean-Guy lang nach dem Konzert für uns und den „harten Kern“ noch unplugged auf der Couch ein paar Lieder sangen und wir noch ein bisschen mehr von ihnen erfuhren. Alles in allem wirklich ein unvergesslicher Abend, der uns darin bestätigt hat, dass man eben manchmal auch zunächst verrückt klingende Dinge einfach machen muss!

 

 

 

6 Kommentare

  1. Einen schönen, berührenden Bericht hast du da geschrieben – die besondere Atmosphäre, die ihr erleben konntet (und die ihr ja auch geschaffen habt!!!) kommt hervorragend rüber. Schade, dass ich nicht dabei war!

    1. Ja, schade – hätte dir sicher gefallen! Was es auch besonders machte, waren die Erzählungen zwischendrin… Die Lieder gewinnen noch mehr an Bedeutung, wenn man die Geschichte dazu kennt.

  2. …tolle – und wahrscheinlich einmalige – Sache…
    Sehr schade, dass ich nicht da war.
    Wirklich sehr berührend was Du schreibst. Um wieviel mehr ans Herz gehend war es wohl an jenem Abend selbst…

  3. Es war auch so schön, weil alles so persönlich wirkte. Sie hat von der Band und ihren gemeinsamen Fahrten im engen Van gesprochen, aber vor allem auch davon, wie und wieso die Songs entstanden sind…

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