Granteln.

Als gebürtiger Bayerin wurde mir der Grant quasi in die Wiege gelegt. Für alle Nicht-Bayer*innen liefert Wiktionary die Bedeutungen:

[1] bairisch, österreichisch, umgangssprachlich: (länger andauernde) schlechte Laune, ärgerlicher Unwille

Klar ist, wenn man einen Grant hat, ist man grantig. Und dann grantelt man so vor sich hin. Ein wirklich schönes Wort für einen nicht ganz so schönen Zustand. Wobei dieser Zustand nicht völlig unangenehm sein muss, es kann gut tun, auf diese Weise etwas Dampf abzulassen. Granteln ist auch nicht zwingend unsympathisch. Ein*e Grantler*in kann durchaus liebevoll wahrgenommen werden.

Vorbilder gibt es zu Hauf, von Karl Valentin bis Gerhard Polt. Über den Grant kann man also durchaus auch lachen! Der erste Grantler, dem ich begegnete, war mein Großvater väterlicherseits. Er war es, der mich auch mal (durchaus liebevoll) als „oide Krompfhenna“ bezeichnete. Wie das so ist, Charakterzüge werden familiär weitergegeben und bei uns in der Familie kann im Grunde jede*r mal so richtig grantig sein.

Ich sowieso. Es gibt Tage, da wache ich schon grantig auf. Wahrscheinlich hab ich dann schlecht geträumt oder zumindest schlecht geschlafen. Generell bin ich zwar Frühaufsteherin, aber eher morgenmuffelig und sollte vor der zweiten Tasse Tee nach Möglichkeit nicht angesprochen werden. Doch wenn dann morgens noch etwas schief läuft, im Haushalt beispielsweise, dann werd ich so richtig grantig.

Grantig sein ist bei mir der Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit. Wie damals bei Bully Herbigs „Schuh des Manitu“ möchte ich dann rufen: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!“ Problematisch ist es, dass ich dann auch Positives nicht mehr wahrnehme. Das kann immer mal passieren, noch viel mehr aber, wenn ich eh schon grantig bin.

Mir geht es dann wie dem Mönch Ahjan Brahm, der in „Die Kuh, die weinte“ beschreibt, wie er in einer Mauer von 1000 Steinen nicht die 998 geraden, sondern nur die zwei schiefen Steine sehen kann:

Er kann das Wort dafür nicht kennen, aber ich bin mir sicher: mords-grantig war der, als er die zwei schiefen Steine entdeckte. Oft ist es nicht viel, was nicht passt – die unaufgeräumte Küche, die Kleinigkeit, die man in der Arbeit übersehen hat… selten etwas Dramatisches.

Dafür ist der Grant auch da, für die kleinen nervigen Sachen, weit entfernt vom großen Weltschmerz. Doch auch eine allgemeine Lebenseinstellung kann das Granteln laut mancher Quellen sein. Der Umgang mit solchen Grantler*innen ist mitunter gar nicht so einfach. Am besten lässt man sie eine Weile vor sich hin murren und knurren, bis es von selbst wieder vergeht.

Die Selbsterkenntnis ist manchmal auch hilfreich – wenn man selbst erkennt oder auf nette Art darauf hingewiesen wird, dass man im Grunde schon wieder ziemlich grundlos grantelt, kann man es auch ganz gut wieder einbremsen. Oder, zugegebenermaßen, wenn es blöd läuft, auch noch grantiger werden. Dann ist man grantig, weil man grantig ist, und hat es wahrlich nicht leicht mit sich selbst. Immerhin habe ich herausgefunden, dass mir morgendliches Meditieren auch gegen den Morgenmuffel-Grantigkeit-Mix helfen kann (nicht muss, selbstverständlich).

Denn es stimmt schon:

weniger granteln – mehra schmusen!

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